Die Idee

(von Ulrich Kalthoff)

 

In den Jahren 2000 bis 2005 war ich stellvertretender Vorsitzender des Aufsichtsrates sowie des Präsidiums, während einer unternehmensbedrohenden Krisensituation auch des Vorstandes eines bekannten börsennotierten Unternehmens. In den regelmäßig stattfindenden Sitzungen wurden Strategien festgelegt, Probleme besprochen und der Geschäftsleitung standen die geballte Kompetenz, Erfahrung und unternehmerischen Netzwerke einer ganzen Reihe von Vorständen und Geschäftsführern nationaler und internationaler Unternehmen und Konzerne zur Verfügung.

 

Ich hatte bereits vorher für dieses Unternehmen gearbeitet, als es noch klein war und außer Ideen, Ellbogen und Respektlosigkeit wenig vorzuweisen hatte. Dort war es meine Aufgabe, wirtschaftsjuristische Beratungskompetenz einzubringen. Alles musste allein gemacht werden, externer Rat war teuer, jeder musste alles machen, ganz egal, was er gelernt oder studiert hatte und letzten Endes hatte ich mehr kaufmännische als juristische Abteilungen zu verantworten.

 

Ein paar Jahre später ein ähnliches Bild, diesmal im Beirat der AOK Schleswig-Holstein, Bezirksdirektion Nord, im Rahmen der Fusion mit der AOK Westfalen-Lippe zur AOK Nordwest 2010.

 

Schließlich war ich zwischen 2004 und 2010 als Vorstandsvorsitzender sehr auf den Rat und die Loyalität meines Aufsichtsratsvorsitzenden angewiesen, als es galt, eine ganze Unternehmensgruppe im insolvenzreifen Zustand zu übernehmen und zu sanieren. Wir haben es geschafft und ich freue mich sehr, dass er für dieses Projekt als betriebswirtschaftlicher Experte zur Verfügung steht.

 

Was habe ich aus alledem gelernt? Guter Rat ist teuer! Und niemand kann alles allein! Oder: Wenn Sie niemanden haben, mit dem Sie sich auf Augenhöhe beraten können, dann sind Sie wirklich allein. Als Geschäftsführer hängt alles von Ihnen ab und der Druck und die Anforderungen sind hoch: Alle schauen auf Sie, die Mitarbeiter, die Betriebsräte, die Geschäftspartner, die Banken – und Ihre Familie. Und wer berät Sie? Diese Experten müssen Sie einzeln, fallweise und teuer bezahlen: Juristen, Wirtschaftswissenschaftler, PR- und IT- Consultants etc. pp – alles sehr teuer und von ganzheitlicher und umfassender Beratung kann keine Rede sein. Nein, Sie brauchen Mitunternehmer, andere Unternehmer, Unternehmerinnen und Geschäftsführer oder diejenigen, die dieses einmal waren, das alles kennen, wissen, wovon sie reden, als business angels oder Unternehmensberater ihr Wissen und ihre Erfahrung weitergeben und mit denen Sie offen reden können, ohne dass das gleich in Ihrem Betrieb oder in Ihrem Umfeld die Runde macht.

 

Sie brauchen also einen Beirat. So wie ich einen gebraucht habe und diejenigen, die wiederum ich beraten habe. Und wie viele andere Mittelständler auch. Wo bekommen wir also einen her?